Am kommenden Sonntag, 14. September beginnt für den SK Hohenems das Europacup Abenteuer im spanischen Baskenland. Das Team fliegt bereits am Freitag nach Bilbao und hat somit einen Tag um sich ein wenig zu akklimatisieren. 52 Teams aus 30 verschiedenen Ländern sind gemeldet. Neun weitere Teams gehen im Frauenbewerb an den Start. Bilbao ist für 7 Tage der Nabel der Schachwelt.

Parallel zur Championsleague des Schachs wird in Bilbao das Masters-Finale mit den Siegern des vergangenen Worldcupzyklus gespielt. Mit von der Partie sind Ex-WM Viswanathan Anand (aktuelle Nr. 5 der Welt), Levon Aronian (Nr. 2), Ruslan Ponomariov (Nr. 32) und Lokalmatador Valejo Pons (Nr. 38)

Auch der ECC-Bewerb ist gespickt mit ganz großen Namen. Sensationsmann Fabiano Caruana wird ebenso am Start sein wie Alexander Grischuk, Veselin Topalov, Hikaru Nakamura, Sergey Karjakin und Maxime Vachier-Lagrave. Von den ganz prominenten Spielern fehlen eigentlich nur Weltmeister Magnus Carlsen, Vladimir Kramnik und Boris Gelfand.

Hohenems hat folgendes Spieleraufgebot:

Eduardas Rozentalis

Falko Bindrich

Dennis Breder

Valery Atlas

Georg Fröwis

Luca Kessler

Milan Novkovic

Teamcaptain: Reinhard Kuntner

Hohenems nimmt in der Meldeliste in etwa Rang 15 ein. Die Top-10 Teams sind normalerweise unantastbar, ca. 10 bis 15 Teams die nach uns gereiht sind folgen dicht auf. Ein Rang unter den besten 20 wäre daher als Erfolg zu werten. Das bisher beste Resultat einer Hohenemser Mannschaft beim Europacup stammt aus dem Jahr 2002. Der damalige 12. Rang ist diesmal nur sehr schwer erreichbar. 

Leider schweigt sich der Veranstalter im Moment noch darüber aus, wie viele Bretter live übertragen werden. Wir hoffen natürlich, dass es den österreichischen Schachfans ab Sonntag hin und wieder möglich sein wird, spannende Live-Partien des Österreichischen Meisters 2014 an den PC-Schirmen mitverfolgen zu können. Mit Royal Salzburg ist ein zweites österreichisches Team in Bilbao am Start. Die österreichische Nummer 1, Markus Ragger spielt für Die SG Solingen auf dem Spitzenbrett.

Veranstalterseite

Mastersfinale

Wir sind gestern alle pünktlich in Bilbao angekommen und haben gleich erste Eindrücke gesammelt. Vorab: bisher klappt die Organisation hervorragend und das Turnier verspricht in jeder Hinsicht ein Top-Event zu werden. Das Hotel ist gut, die baskische Küche haben wir bereits ein wenig getestet, allgemeiner Eindruck: hervorragend. Natürlich haben wir gleich den Ort des Geschehens inspiziert, das Euskalduna Jauregia. Selbstverständlich findet das Turnier in einem kleinen Flügel der riesigen Anlage statt. Auf einer eigens errichteten Bühne werden Anand, Aronian, Ponomatiov und Valejo das Masterfinale spielen, aber mitten unter den Championsleague-Spielern. Der Spielsaal ist sehr groß und bietet beste Bedingungen. Anscheinend werden die 12 Topbegegnungen pro Runde live übertragen. Inoffiziell sind wir die Startnummer 14 bei 52 Teams, daher wird man uns vermutlich in der Startrunde noch nicht live sehen. Das Frauenturnier dürfte mit nur 9 teilnehmenden Mannschaften komplett übertragen werden.

Im selben Hotel und gestern am Nebentisch sitzend hat sich auch das top-gesetzte Team Socar aus Aserbaidschan einquartiert. Diese Mannschaft bringt mit Topalov, Giri, Wang Hao, Radjabov, Mammedyarov und Adams auf 6 Brettern den sagenhaften Mannschaftsschnitt von 2750 ELO-Punkten zusammen. Schon träumen einige im Team davon, einmal im Leben gegen diese Superstars spielen zu können. Mit der Nr. 14, einem Startsieg in der ersten Runde und lauter Favoritensiegen in Runde 1 könnte es sich angeblich in Runde 2 ausgehen .... Derzeit pure Fantasie. In Kürze beginnt der Eröffnungsakt mit anschließender Sitzung der Team-Captains. Dann stehen erst alle teilnehmenden Mannschaften fest und die Spielerlisten müssen verbindlich festgelegt und abgegeben werden. Der Gegner der ersten Runde sollte heute noch am späten Abend feststehen.

Die Akkreditierung erfolgte gestern und heute problemlos, anschließend haben wir heute erst einmal das berühmte Guggenheim Museum besucht, in dem derzeit eine Ausstellung mit Werken des französischen Kubisten Georges Braque (1881 - 1963) zu sehen ist. Die ganze Stadt macht schon einen ungeheuer guten Eindruck auf uns. Man atmet zeitgenösische Kunst an allen Ecken und Enden. Alles ist sehr gepflegt und sehr sauber, eine Stadt für Menschen. Ich hab im Leben noch nie so breite Zebrastreifen gesehen, sicher 5 mal breiter als lang, alles ist sehr fußgängerfreundlich, der wenige Autoverkehr kaum wahrnehmbar.

Milan und Luca ließen es sich nicht nehmen, heute an unseren einzigen freien Tag ins ungefähr eine Busstunde entfernte baskische San Sebastian zu fahren wo das Schachgenie José Raul Capablanca 1911 erstmals in Europa für Furore sorgte. Unter anderem wurde bei diesem Turnier die berühmte Partie Capablanca - Bernstein gespielt.

Einige hundert Schachfans füllten gestern Abend den Saal bei der kurzen aber herzlichen Eröffnungsfeier. Im Mittelpunkt standen die Teilnehmer des Worldcupfinals. Die kurzen Ansprachen des Bürgermeisters von Bilbao, der Sportbeautragten den Region Biskaya, des neuen ECU Präsidenen Zurab Asmaiparashvili, des Spanischen Schachpräsidenten sowie der lokalen Organisatoren wurden immer wieder durch brilliante Darbietungen einer baskischen Tanzgruppe aufgelockert. 

Kinder aus Bilbao repräsentierten die 31 teilnehmenden Nationen. Drei Teilnehmern, Pentala Harikrishna als Vertreter des letztjährigen tschechischen Überaschungs-Europacupsiegers Novi Bor, die erst 20-jährige dreifache Weltmeisterin Hou Yifan als Vertreterin des Europacupsiegerteams der Frauen 2013, Monte Carlo sowie Levon Arionian als Gewinner des Weltcupfinales 2013 wurde dann auf der Bühne als besondere Willkommensgeste eine traditionelle baskische Mütze aufs Haupt gesetzt. Die Freude währte allerdings nur kurz, denn diese Mützen mussten am Ende der Eröffnungsfeier den Organisatoren retourniert werden, sind sie doch für die Sieger 2014 vorgesehen.

Im Anschluss gaben die Organisatoren einen Drink aus, was eine gute Gelegenheit war, einen edlen Tropfen aus der angrenzenden Weinregion Rioja zu genießen.

Luca und Milan kamen gerade rechtzeitig aus San Sebastian zurück, nicht ohne Überraschungsgeschenk für die Teamkollegen. San Sebastian ist eines von zwei baskischen Teams, die beim ECC 2014 mitspielen und so war gestern schon in der malerischen Stadt an der Biskaya einiges los. Unter anderen trafen sie Loek van Wely, den Holländer in den Reihen von San Sebastian. Nachdem einige Blitzpartien gespielt waren wurde den beiden je ein Buch "Supertorneo de San Sebastian 1912" von Alfonso Romero Holmes überreicht.

Luca Kessler kam mit seinem bereits von Loek van Wely signierten Buch zur Eröffnungsfeier. Er erwies sich dann als äußerst erfolgreicher Autogrammjäger. Die Stars waren in bester Laune und so verewigten sich im Buchdeckel weiters Vishi Anand, Levon Aronian und die beeindruckende Hou Yifan. Die 20-jährige chinesische Weltmeisterin bestach in jeder Hinsicht, ein Star der Szene, mit viel Humor, wie die Übergabe der Baskenmütze zeigte. Bild: Luca (rechts) beim Blitzen mit GM Loek van Wely.

Seit Mitternacht stand dann auch unser Erstrundengegner fest: es ist das Team aus Echternach/Luxemburg. Im Laufe des Vormittags war dann der Ansturm auf die Webseite des Veranstalters offensichtlich so groß, dass diese zusammenbrach. Inzwischen sind zumindest die Brettpaarungen online. Interessantes Detail am Rande: gestern schon entdeckte Dennis Breder seinen alten Schachfreund Robert Philipowski in den Reihen der Luxemburger. Nachdem die Neigung gegen ihn zu spielen nicht besonders ausgeprägt war und bei 7 anwesenden Spielern ohnehin jeweils einer zuschauen muss, ergab sich die heutige Aufstellung quasi von selbst. Neben unseren zwei 2600-er GM's auf Brett 1 und 2, Ed Rozentalis und Falko Bindrich wird das Vorarlberg-Quartett Valery Atlas, Georg Fröwis, Luca Kessler und Milan Novkovic die Startrunde des ECC 2014 bestreiten.

 

Optimaler Start für den SK Hohenems gegen die Mannschaft von Echternach aus Luxemburg. Es war ein überlegener aber zäher Arbeitssieg. Ed Rozentalis und Valery Atlas remisierten ihre Partien relative früh. An sich gilt bei diesem Bewerb ein Verbot von Remisvereinbarungen in den ersten 40 Zügen. "Technische Remis" gibt es natürlich trotzdem immer wieder. Dasa war in dieser Runde sowohl bei Valery als auch bei Ed der Fall. Beide Spieler forcierten eine Zugwiederholung, da ansonsten das schlechtere Spiel in Kauf genommen werden hätte müssen. Alle anderen Partien verliefen zu diesem Zeitpunkt aber günstig für uns. Am besten verlief die Eröffnungsphase für Georg, der mit einem Mehrbauern ins Endspiel abwickeln konnte. Die lange Gegenwehr des Schwarzen war letztlich vergeblich. Auch bei Falko ergab sich ein nachhaltiger Stellungsvorteil der zu einem eigentlich entscheidenden Bauerngewinn führte. Die folgende Abwicklung eröffnete dann aber seinem Gegner Gennadij Ginsburg gute Remischancen, die er aber in Zeitnot verpasste.

Lucas erste Europacuppartie verlief sehr spannend. Schnell gelang es dem 17-Jährigen die Initiative an sich zu reissen. Im Endspiel mit noch recht viel Material auf dem Brett marschierte dann der schwarze König in die Brettmitte, mitten ins Getümmel. Die Sache ging gut, da sein Gegner die besten Fortsetzungen ausließ. Am Ende wurde Weiss einfach am Brettrand erdrückt. Luca sorgte für den einzigen Schwarzsieg in dieser Auftaktrunde.

Am vielleicht überzeugendsten kam Milans Sieg auf Brett 6 zustande. er hatte zwar über längere Strecken kein großes Plus, übte aber immer unangenehmen Stellungsdruck aus, dem der Gegner dann in der Zeitnotphase nicht mehr gewachsen war. Das Team entschied am Abend bei der gemeinsamen Analyse der Partien, dass der interne Schönheitspreis der Runde an Milan (Bild rechts) geht.

 

Schach in Spanien ist anders. Vom Fussball ist man es ja gewöhnt und im nahen Stadion von Atletico Bilbao sind solche Szenen alltäglich. Einen stürmischen Empfang nicht ganz ohne politischen Hintergrund bereiteten einige Fans Ruslan Ponomariov. Der Eindruck täuscht, seine Anhänger sind nicht aus der Ukraine angereist. Rusland ist mit einer Spanierin verheiratet und lebt in der Nähe von Bilbao.

 

 

 

 

 

 

In der Eröffnungspartie gegen den sichtlich wiedererstarkten Ex-Champion Viswanathan Anand nützte das alles nichts. Vishi rang Ponomariov nieder wie in seinen besten Zeiten. In der Parallelpartie erzielte Lokalmatator Valejo mühelos ein Remis mit Schwarz gegen Levon Aronian. Bild: Bürgermeister und ECU Präsident sowie ein weiterer Offizieller kurz vor Eröffnung der Partie.

Den Überflieger von St. Louis, Fabiano Caruana konnte das interessierte Publikum noch nicht bewundern. Er gönnte sich wie sein Mannschaftskollege Hikaru Nakamura in Runde 1 noch einen freien Tag. Der klare 6 : 0 Sieg seines Teams Obiettivo war dadurch in keener Weise gefährdet. Obwohl in runde 2 ein weiterer "Underdog" die Grantham Sharks aus Engand warten, steigt der neue Superstar heute höchstpersönlich in den Ring. Mit SHSM Moskau gegen Socar aus Aserbaaidschan gibt es heute auch bereits die erste Schlagerpaarung. Socar spielt mit dem stärksten Sechser-Team der Schachgeschichte. (es sind die Nummern 6, 11, 12, 16, 24 und 33 der Welt)

Auf den SK Hohenems (Nr. 14) wartet die Nummer 11 des Turniers, die starke russische Mannschaft Ladya Kazan, in deren Reihen mit Gata Kamsky ein sehr prominenter Mann am Spitzenbrett spielt. Erstmals zum Einsatz bei Hohenems kommt heute IM Dennis Breder. Es pausiert heute Milan Novkovic. Diese Begegnung wird heute übertragen, wenn den die Übertragung funktioniert. Leider waren die Startrunde des ECC 2014 und auch das Mastersfinale im www nicht mitzuverfolgen. Die Webseite des Veranstalters läuft immer noch im Notbetrieb, für die vielen Schachfans hoffen wir aber doch, dass die Übertragung heute klappt.

 

Oft hat ein österreichisches Team in der Schachgeschichte noch nicht ein positives Resultat gegen ein russisches erzielt. Dem SK Hohenems ist es heute gelungen. am Ende mit dem nötigen Glück, aber nicht unverdient. Das 3-3 gegen den Europacupsieger aus dem Jahre 1996 nimmt natürlich einen besonderen Platz in der Chronik unseres Vereins ein, auch wenn Kazan mit einer Aufstellung antrat, der wir einigermaßen auf Augenhöhe begegnen konnten. Das Team aus der russischen Teilrepublik Tatarstan an der Wolga trat mit drei erfahrenen Großmeistern und drei hoffnungsvollen Nachwuchstalenten an und waren der erwartet schwere Brocken. Auf Brett 1 wurde der frühere Weltklassemann Gata Kamsky eingesetzt. Ed Rozentalis hatte ihn jederzeit unter Kontrolle. Die Partie endete in einem vorzeitigen Remis mit einer Zugwiederholung. Falko Bindrich erreichte nach einer guten Abwehrleistung schließlich ebenfalls ein völlig ausgeglichenes Endspiel. Das selbe galt für Dennis Breder gegen den dritten GM in den Reihen der Tataren, GM Ildar Ibragimov.

Valery Atlas spielte die zweite Partie hintereinander mit Schwarz  und schaffte auch das zweite Remis, ebenfalls mit einer Zugwiederholung. Bemerkenswertes Detail am Rande: beim Friedesschluss war noch kein einziger Stein geschlagen. Weiss schreckte vor einer Linienöffnung am Damenflügel doch zurück, hatte sein König doch groß auf die Damenseite rochiert.

Die Entscheidung musste also auf den Brettern 5 und 6 fallen an denen Georg Fröwis und Luca Kessler gegen ebenfals noch ganz junge Gegner anzutreten hatten. Georg wickelte in ein interessantes Mittelspiel ab, in dem Weiss scheinbar die etwas besseren Karten zu haben schien. Als die Waagschale sich doch in Richtung seines Gegners zu senken rächte sich jedoch die schwache schwarze Grundreihe. Ein grobes taktisches Übersehen beendete die Partie auf der Stelle und sorgte zu diesem Zeitpunkt doch noch für das nicht mehr für möglich gehaltene Mannschafts-Unentschieden. Luca Kessler hatte zuvor erst in Zeitnot eine eigentlich haltbare Stellung vergeben.

Vor dem Abendessen war wieder Analyse angesagt und diesmal fiel das Voting für die beste Partie der Runde eindeutig aus. Georg, der Retter in der Not und einzige Sieger dieser zweiten Runde gewann den Preis für die beste Partie der Runde. Bild: Das Durchschnittsalter auf den Brettern 5 und 6 bei Hohenems - Kazan war unter zwanzig Jahren.

Dann die spannende Frage: wer wird der nächste Gegner sein? Es ist das Team LSG aus Leiden in den Niederlanden. LSG hat zwar keinen GM in ihren Reihen, dafür 4 Internationale Meister und zwei FIDE-Meister. LSG hat eine kompakte Mannschaft, ein weiterer spannender Europacup-Fight wartet. Hohenems ist wieder in der Live-Übertragung, die heute zumindest auf Chessdom funktioniert hat.

 

 

 

 

 

 

Natürlich hatten wir uns gegen die Niederländer etwas ausgerechnet, doch mehr als ein 3-3 war heute nicht drinnen. Das Team aus Leiden hatte keine sehr bekannten Namen in ihren Reihen, es erwies sich aber als kampfstarke Truppe. Am Ende mussten wir froh sein, noch ein Unentschieden erreicht zu haben. Bei Luca Kessler auf Brett sechs bekam Schwarz im Mittelspiel Übergewicht und bei knapper Bedenkzeit war die Stellung dann nicht mehr zu halten. Der 0-1 Rückstand beunruhigte mich als Teamcaptain zunächst noch nicht, den auf Brett 1 enstanden haarsträubende Verwicklungen, die durchaus chancenreich für Ed Rozentalis aussahen. Doch der weisse König entkam dem schwarzen Angriff und gegen die Konterattacke des Holländischen IM Edwin van Haastert war dann kein Kraut mehr gewachsen: 0-2. damit war klar, dass wir am Rande einer Niederlage standen, denn bei Falko Bindrich und bei Dennis Breder waren beim besten Willen keine Gewinnchancen zu sehen. Die beiden remisierten dann auch bald, sodass die Hoffnungen einmal mehr auf Georg Fröwis und diesmal auch auf Valery Atlas ruhten. Bei Valerys Partie gab es schon in der Eröffnungsphase eine ordentliche Protion psychologische Kriegsführung, denn jeder der beiden Spieler wollte den anderen mit der Eröffnungswahl überraschen. Am Ende stand das Überraschungsmoment auf Seiten von Valery, denn das Vorschieben des h-Bauern bis h6 kommt nur in einer eher selten gespielten Nebenlinie vor. In einer sehr geradlinig gespielten Partie vergrößerte sich der Vorteil zusehends und ab einem Moment war der freie f-Bauer einfach zu stark. Bei der abendlichen gemeinsamen Analyse waren die Kollegen denn auch klar der Meinung, dass diese Partie dismal den Schönheitspreis verdient.

Georg Fröwis blieb es vorbehalten mit seinem dritten Sieg in Folge, dem Team doch noch den 3-3 Ausgleich zu sichern. Geduldig auf seine Chance wartend bestach georg in dieser Partie mit ungewöhnlichen Manövern des schwarzen Damenspringers. Immer wieder zog sich dieser Rappe auf das Ausgangsfeld zurück um dann - Ironie der Geschichte dieser Partie am Ende auf e3 den Schlusspunkt zu setzen. Georg hatte in einem Endsiel Dame und Springer gegen Dame und Springer plötzlich das aktivere Figurenspiel, das bei genauer Verteidigung trotzdem nur remis gewesen wäre. In der Zeitnotphase ist so eine Stellung aber in der Praxis kaum zu halten und so kam es auch. Figurenverlust war schließlich unvermeidbar. Die Holländer waren mit dem Remis gegen uns aber sichtlich zufrieden.

Noch ist der SK Hohenems in diesem 30. ECC 2014 ungeschlagen. Wir belegen nach drei Runden mit 4 Mannschafts- und 11 Brettpunkten den 11. Zwischenrang. Die Auslosung der vierten Runde beschied uns eine weitere Mannschaft aus den Niederlanden: En Passant aus Bunschoten, eine 20.000 Einwohnergemeinde. En Passant ist amtierender Niederländische Meister. In Bilbao sind sie allerdings bei weitem nicht in Bestbesetzung angetreten. Einige ihrer Spieler, wie Anish Giri oder Erwin l'Ami spielen für andere Teams. Dennoch, sie sind durchaus mit LSG gleichzusetzen und daher ist ein weiterer, spannender und offener EC-Fight zu erwarten.

 

Obwohl wie bei vielen Schachturnieren auch in Bilbao die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer männlich sind, wird auch ein hochkarätig besetzer Frauenbewerb gespielt. Das erfolgsverwöhnte Team von Monte Carlo (Bild links mit Weltmeisterin Hou Yifan auf Brett 1) verlor völlig unerwartet sowohl in Runde 1 als auch in Runde 2. Heute gelang mit einem knappen 2,5 : 1,5 der erste Mannschaftsieg gegen den deutschen Meister Königshofen. Elisabeth Pähtz (Königshofen) gelang dabei ein vielbeachtetes Schwarzremis gegen die Weltmeisterin. Die Chancen auf eine titelverteidigung von Monta Carlo sind wohl nur noch theoretischer Natur. Nach drei Siegen hintereinander ist nun das Team von Batumi, Georgien, unter anderem mit Melia Salome der neue Favorit auf den Titel. Entschieden ist aber noch nichts. Bei den Frauen sind 6 sehr starke Teams am Start, dazu zwei Mannschaften aus Israel, die wohl Platz 7 und 8 unter sich ausmachen werden. Bei den Frauen wird vollrundig gespielt.

Wenn es nach dem neuen ECU Präsidenten Zurab Asmaiparashvili geht, dann soll das Frauenschach einen enormen Aufschwung nehmen. Bei seiner Eröffnungsansprache wünschte er sich für 2015 mindestens 30 Frauenteams beim European Club Cup für Frauenmannschaften. Österreich könnte durchaus auch ein bis zwei Teams stellen, in der Frauenbundesliga 2014/15 sind zumindest 14 Mannschaften am Start.

 

Kein einziges Remis in Runde 4. Gegen En Passant hatte ich als Team-Captain schon sehr früh ein gutes Gefühl. Eine zeitlang dachte ich, es könnte auch ein hohes Ergebnis zu unseren Gunsten geben. Auf den Brettern 5 und 6 war relativ bald klar, dass die Punkte bei Hohenems bleiben. Besonders Georg Fröwis deckte die Schwächen des Gegners schonungslos auf und bestrafte die oberflächliche Partiebehandlung in optimaler Weise. Ähnlich verlief die Geschichte bei Milan. Er übernahm früh mit Schwarz die Initiative. Der Druck wurde für den Gegner zu stark. Nach dem Qualitätsgewinn war das Endspiel nur mehr Formsache. Statt einem 0-2 Rückstand nachzurennen, wie gestern, waren wir bald 2-0 in Führung und zudem durften wir bei allen anderen vier noch laufenden Partien zuversichtlich sein. Besonders bei Falko Bindrich gegen Manuel Bosboom braute sich das Unheil über dem Leko-Bezwinger der ersten Runde bedrohlich zusammen. nachdem der Niederländer eine letzte Rettungschance verpasste, wurde der d4-Bauer gewonnen und in Folge der gesamte Damenflügel abgeräumt: 3-0. Doch statt eines Kantersieges tauchten plötzlich unerwartet Probleme auf. Valerys zweischneidige Stellung gegen die die seit 1996 in de Niederlanden lebende chinesische Großmeisterin  Peng Zhaoqin kippte in beidseitiger Zeitnot zu Gunsten Pengs, ein taktischer Schlag beendete die Partie abrupt.

Auch bei Ed Rozentalis, der couragiert die ganze Partie auf Angriff spielte und zwischendurch auch schon 40 Minuten Zeitvorsprung hatte, schaffte es GM Friso Nijboer durch eine Reihe starker Manöver gefährliches Gegenspiel zu erlangen. In den taktischen Verwicklungen kurz vor der Zeitkontrolle brachte der niederländische GM dann eine entscheidende Springergabel an. Plötzlich stand es nur noch 3-2 und bei Dennis Breder ergaben sich haarsträubende Verwicklungen bei einseitger Zeitnot, in der kritischen Stellung hatte Dennis nur mehr 2 Sekunden auf der Uhr. Doch anscheindend braucht er diesen "Kick". Nach Erreichen des 40. Zuges hatten die Gewitterwolken sich gelichtet und ein gewonnenes Endspiel stand auf dem Brett. Aufatmen. Nach wenigen weiteren Zügen durfte ich das Wettkampfprotokoll, auf dem der zweite Matchgewinn für Hohenems vermerkt war, unterschreiben.

In Runde 4 war das Hauptaugenmerk auf die Paarung SOCAR Azerbaijan, des Turnierfavoriten gegen den Titelverteidiger Novi Bor aus der Tschechischen Republik gerichtet. Tschechiens Nummer 1, David Navara (Bild) verlor dabei recht chancenlos gegen Ex-Weltmeister Veselin Topalov. SOCAR gewann 4-2 und reduzierte damit die Chance auf eine Titelverteidigung für Novi Bor auf ein Minimum. Markus Ragger verlor mit seiner Berliner Verteidigung die zweite Partie hintereinander, heute gegen Gata Kamsky. Leider besiegelte er damit die erste Niederlage seines Teams Solingen.

In der Zwischenwertung führt nun SOCAR vor Obiettivo Risarcimento. Damit kommt es heute zum absoluten Schlagerkampf dieses Europacups, der Setznummern 1 und 2. Caruana - Mamedyarov, Topalov - Nakamura, Adams - Vachier Lagrave, Giri - Bacrot, Fressinet - Radjabob und Korobov - Georgiev besteiten dieses Gipfeltreffen des europäischen Schachs. Bei einem Sieg SOCARS wäre eine Vorentscheidung gefallen.

Gestern gab es im Stadion von Athletic Bilbao auch Fußball-Championsleague zu sehen. Milan und Georg ergatterten schon am Montag zwei Karten und wohnten dem Spektakel in der mit 50.000 Zusehern ausverkauften und neu errichteten Arena San Mamés bei. Lediglich der vorreservierte Fanbereich von Schachtar Donetsk blieb fast leer. Nur einige wenige Unentwegte fanden den weiten Weg ins Baskenland um ihren Verein im ersten Championsleague Gruppenspiel der Saison 2014715 zu unterstützen. Wie sollten sie auch, am Flughafen Donetsk wird weiter gekämpft und im August 2014 wurde das Stadion in Donetsk beim Beschuss der Stadt durch Kiev-Truppen beschädigt. Seither besteitet die Mannschaft ihre Heimspiele im westukrainischen Lwiw (Lemberg). Die Menschen in der Ukraine haben derzeit wahrlich andere Sorgen.

Das weltpolitische Geschehen war aber auch auf eine andere Weise an diesem Abend allgegenwärtig in Bilbao. Nebst den Flaggenmeer in Atleticos Vereinsfarben rot und weiss waren laut unseren beiden Championsleague-Beobachtern auch sehr viele schottische Nationalflaggen zu sehen.

Heute findet in Schottland die historische Abstimmung über die schottische Unabhängigkeit statt und natürlich wird das hier im Baskenland mit großem Interesse und großer Sympathie verfolgt. Eine Unabhängigkeit Schottlands würde die eigenen baskischen Unabhängigkeitsbemühungen natürlich befeuern, so die allgemeine Stimmung hier.

Zurück zur Chess Championsleague in die Arena Euskalduna Jauregia. Hohenems bekommt es heute mit dem Setznachbarn Minsk zu tun. Wir sind noch eine von sechs ungeschlagenen Mannschaften. Die Weißrussen spielen mit den Zhigalko Brüdern auf Brett 1 und 2, sowie zwei weiteren Großmeistern auf den Brettern 3 und 4. Vom ELO-Schnitt der beiden Mannschaften sollte der Wettkampf ausgeglichen verlaufen. Viel wird davon abhängen, ob Ed und Valery die beiden gestrigen Niederlagen gut wegstecken konnten und ob Georg seinen Lauf fortsetzen kann. Er führt derzeit in der Brettwertung auf Brett 5 und könnte bei der Madaillenvergabe in der Brettwertung durchaus zum Zug kommen.

 

Gestern Abend nach der Runde sahen wir in der Innenstadt von Bilbao einen Basken im Schottenrock. Geholfen hat es nicht, die Schotten haben für den Verbleib bei Großbritanien gestimmt. Die Autonomie der Regionen war ja immer schon recht ausgeprägt, auch im Bereich des Sports. Es gibt ja schon eine Schottische Fußballnationalmannschaft, genauso wie es eine Walisische und eine Nordirische gibt. Hier in Bilbao treten die schottischen und walisischen Teams selbstverständlich unter ihrer Nationalflagge an genauso wie die englischen.

Verloren haben gestern ihre Schlacht nicht nur die schottischen Unabhängigkeitsbefürworter, auch uns Hohenemser hat es gestern erwischt. Die junge und sehr kompakte Mannschaft aus Minsk erwies sich als zu stark. Immerhin 4 Remis wurden erkämpft, wobei bei Milan auch ein Gewinn möglich gewesen wäre. Einmal war ein die schwarze Stellung völlig lähmendes Td7 möglich gewesen, wie die abendliche Computeranalyse gezeigt hat. Valery zeigte. nachdem im Mittelspiel einmal eine bessere Fortsetzung möglich war, mit einer forcierten Abwicklung, dass der Gegner doch nie mehr als remis hatte. Georg glich mit Schwarz mühelos aus, hatte aber nie wirklich Vorteil und entschloss sich früh zu einer erzwungenen Zugwiderholung. Lange um einen kleinen Vorteil gekämpft hat Falko Bindrich auf Brett 2 gegen den älteren der beiden Zhigalko Brüder. Schließlich verflüchtigte sich das kleine Plus im Endspiel endgültig und es wurde Frieden geschlossen. Bei Ed ging ein Bauernopfer in der Eröffnung daneben und bei Dennis führte eine sehr taktisch geführte Partie, die eigentlich nur von Computern korrekt gespielt werden kann in den Untergang. Erstmals gab es in Bilbao in einer Runde keine Gewinnpartie für Hohenems, bei der Auswahl der besten Partie war es dann aber doch recht einfach. Falko bot nach übereinstimmender Meinung die beste Leistung in Runde 5.

Im Spitzenduell setzte sich SOCAR gegen Obiettivo Risarcimento knapp durch. Die 4 Herren an den Brettern 1 und 2 neutralisierten sich durch beeindruckende Weissiege von Fabio Caruana (Obiettivo) und Veselin Topalov (SOCAR) die Entscheidung fiel auf Brett 6 wo Anton Korobov gegen den Bulgaren Kiril Georgiev gewann. Die restlichen Partien endeten remis.

Kein Punktezuwachs also für Hohenems in der 5. Runde. Die 6. Runde brachte für uns trotzdem eine sehr reizvolle Paarung. Hohenems trifft in Runde 6 auf den deutschen Spitzenklub SG Solingen, deutsches Bundesliga Urgestein sozusagen, gegen österreichisches, wobei Solingen deutlich länger in der deutschen Bundesliga mitspielt als Hohenems in der österreichischen, nämlich seit Anbeginn im Jahre 1980. Die erste Bundesligasaison wurde dann auch von Solingen gleich gewonnen, dreimal konnte der Klub dieses Kunststück wiederholen. Für Hohenems beginnt bald immerhin auch schon die 20. Saison. Beide Teams haben gemeinsam, dass sie noch nie aus den Eliteligen ihrer Länder abgestiegen sind. Solingen hat Hohenems aber immerhin 15 Jahre Bundesligazugehörigkeit und 2 Bundesliga-Titel voraus. Im heutigen Match in der Chess-Champions-League ist Solingen in der Favoritenrolle, haben sie doch auf allen Brettern zumindest ein leichtes bis spürbares ELO-Plus. Besonderen Reiz hat die Begegnung natürlich auch dadurch, dass mit Markus Ragger Österreichs Nummer 1 und mit Alex Naumann unserer  langjähriger Ex-Kollege auf Seiten Solingens Platz nehmen werden. Valery ist es vorbehalten, das Duell mit Alex zu führen. Mit Ed Rozentalis und Markus Ragger treffen zwei GM's aufeinander, die hier in Bilbao bisher nicht ihre beste Form ausspielen konnten.

 

Es war das erwartet enge Match. Wie schon in der Voranalyse deutlich wurde, Solingen hatte uns in vielerlei Hinsicht einiges voraus. Im Gespräch mit  Herbert Scheidt kurz vor Spielbeginn wies dann Solingens Teamchef auf zwei weitere Punkte hin, bei denen ebenfalls die Klingenstädter aus NRW die Nase vorne hatten. Zum einen verriet mir Scheidt, dass es den Job des Team Chefs bei Solingen nun schon seit 40 Jahren ausübt - mit nach wie vor sichtbarer Begeisterung, wie ich hinzufügen möchte. Zum anderen trat Solingen nun schon zum sechsten Mal in diesem ECC-Bewerb einheitlich in ihren schicken blauen Teamdressen an. Das sah ich bei früheren ECC's schon öfters als hier in Bilbao. Schon rein äußerlich demonstrierten die Deutschen damit die Verbundenheit mit IHRER SG Solingen. Wenn auch Baden Baden seit 10 Jahren das Deutsche Schach dominiert, Solingen hat immer noch einen klingenden Namen, erinnern wir uns doch gerne an die Kämpfe der 80-er Jahre mit Porz und Bayern München um die Vorherrschaft im Vereinsschach bei unseren nördlichen Nachbarn.

Nach gut einer Stunde war meine erste Einschätzung durchaus von Optimismus getragen. Zumindest bei Georg Fröwis und Milan Novkovic war ein Vorteil offensichtlich. Besonders Georg suchte die Entscheidung gegen Mats Andersen, es winkte die alleinige Führung in der Brettwertung. Sorgenfalten erzeugte hingegen Valerys Stellung gegen Alex Naumann, der nachhaltigen und unangenehmen Stellungsdruck ausübte. Ed versuchte sichtlich nach drei Niederlagen in Folge mit einer sicheren doch wenig ambitionierten Variante in der Berliner Verteidigung wieder Fuß zu fassen. An diesem Tag und zu diesem Zeitpunkt sicherlich die richtige Strategie. Bei Falko und Dennis verliefen die Partien im üblichen Rahmen. Im weiteren Verlauf des Wettkampfs verflachte dann die Stellung Georgs und als Milan von seinem Gegner auf eine dreimalige Stellungswiederholung aufmerksam gemacht wurde war klar, dass die Erwartungen nach unten geschraubt werden mussten, jedenfalls hätte ich nach ca. 2,5 Stunden den Wettkampfbericht mit einem 3-3 drauf glatt unterschrieben. Als Dennis Breder eine sichtlich vorteilhafte Stellung mit Mehrqualität in Zeitnot nur zum Remis führen konnte, war klar, dass der Wettkampf auf der Kippe stand und sehr leicht verloren gehen konnte. Allen Bemühungen zum Trotz erhielt Valery kurz nach der Zeitkontrolle ein verlorenes Turmendspiel, gleichzeitig jedoch schätzten wir Falkos Stellung als aussichtsreich ein, irgendwie hatte l'Ami den Faden verloren und Falkos Springer stand plötzlich rieisg auf e5. Nach einer kurzen Schrecksekunde (nach h5 hatte der Niederländer nochmals Gegenchancen) führte Falko die Partie dann technisch sauber zum 3-3 Ausgleich, der alles in allem so wohl in Ordnung geht. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Wettkampfanaylse unserer Kollegen aus Solingen.

Dieses Unentschieden ermöglicht jedenfalls beiden Mannschaften in der Schlussrunde bei einem Abschusssieg ein achtbares Resultat. Beide erhielten schlagbare Gegner zugelost, bei einem Sieg winkt Solingen ein Platz unter den ersten acht und Hohenems hat vielleicht die Chance, die bisher beste EC-Platzierung (ein 12. Rang aus dem Jahre 2002) annähernd noch einmal zu erreichen. Unser Schlussrundengegner heißt SK Dunajska Streda aus der Slowakei. Dunajska Streda ist eine stark ungarisch geprägte 22.000 Einwohner-Stadt unweit der österreichischen Grenze. Entsprechend finden sich in der Spielerliste auch ausschließlich ungarische Namen, die Pässe sind teilweise ungarische, teilweise slowakische. Seit beide Staaten Mitglieder der EU sind, sind die Spannungen der beiden Länder wegen der 10 % ungarischen Minderheit in der Slowakei besser unter Kontrolle.

Indessen ist der ECC 2014 sowohl bei den Frauen als auch den Männern bereits vor der Schussrunde entschieden. SOCAR Azerbaijan verabreichte auch dem russischen Starensemble Malakhite eine 1-5 Packung und krönte sich zur besten europäischen Vereinsmannschaft 2014. Keine Blöse gaben sich auch die Frauen aus Batumi/Georgien. Sie liegen nach 6 Siegen aus ebenso vielen Matches uneinholbar in Führung.

 

Nein, das waren leider nicht die Zuschauermassen, die zum 30. European Chess Club Cup und zum Mastersfinale strömten. Diese Leute wollten das Red Bull Clipp Diving sehen, das gestern und heute in Bilbao veranstaltet wurde. Um was geht es da? Im wesentlichen stürzen sich einige Verwegene von einer Brücke 27 m in die Tiefe, in den Fluss Ibaizabal.

Während die Clipp Diver Kopf und Kragen riskierten stürtzten wir uns in den Kampf um die Plätze des ECCC 2014. Klares Ziel war in der letzten Runde noch einen weiteren Mannschaftssieg zu erzielen. Wir wussten allerdings um die Stärke der ungarischen Spieler von Dunajska Streda. Leider gelang das Vorhaben nicht und so wurden wir Opfer des Schweizersystems. Dennis Breder und Milan Novkovic mussten heute leider Bruchlandungen erleiden. Demgegenüber konnte nur Ed Rozentalis mit seinem ersten Sieg in Bilbao gegensteuern. Falko Bindrich, Valery Atlas und Georg Fröwis gelangen mehr oder weniger mühevolle Remis. Es sollte nicht sein. Sechs Runden life es für Hohenems gut, dann und wann war auch das Gluck auf unserer Seite. In der heutigen siebenten Runde fehlte die nötige Kraft.

 

Vor Begin der Runde herrschte natürlich noch Zuversicht. Milan und Georg strahlten mit Markus Ragger um die Wette. Markus gelang zum Abschluss noch eine gute Partie gegen Robert Ruck und seine Solinger erzielten den glänzenden fünften Schlussrang.

Abschlusstabelle

Aber so ist das eben nach jedem Turnier. Erfolg und Enttäuschung liegen nahe besammen. Die Enttäuschung hielt sich bei uns aber nicht lange. Nach der schlichten Siegerehrung bei der Gold, Silber und Bronze sowie nochmals Gold für die Brettsieger vergeben wurden, sowie die Mastersfinalteilnehmer mit Sieger Viswanathan Anand nochmals zu Ehren kamen, begaben wir und schnurstraks in "unsere" Pizzeria, bei der wir so manchen Abend bei Partieanalyse und feinen Speisen verbrachten. Die letzte Partieprämierung brauchte nicht mehr viele Analysen, mit Ed hatten wir gerade einen Sieger. Er übernahm mit Schwarz mehr und mehr die Initiative und irgendwann war sein junger Gegner dem spürbaren Druck nicht mehr gewachsen, es entstand ein gewonnenes Turmendspiel.

Die beiden österreichischen Vertreter Hohenems und Salzburg (auch Salzburg verlor die wichtige Schlussrunde) belegten schließlich vereint die Plätze 24 und 25. Bilbao wird uns aber in sehr angenehmer Erinnerung bleiben. Das meiste rund um diese Veranstaltung war sehr in Ordnung. Ein bisschen nervte die Internetseite des Veranstalters und der Hotelserver war dem Ansturm der vielen Schachspieler auch nicht ganz gewachsen. Ab jetzt werden wieder kleinere Brötchen gebacken. Anand, Aronian, Caruana, Topalov, Grischuk, Adams und co. sagen wir good bye. Es war fantastisch mitten drin gewesen zu sein.

Den Lesern des Bilbaoblogs dankt das ECCC Team des SK Hohenems für das rege Interesse.